****       Sapere aude!         ****        
                 
Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! – forderte der Philosoph Immanuel Kant vor mehr als 200 Jahren. Er hatte etwas viel von uns verlangt, aber  ein wenig  sollten  wir   ihm schon  entgegenkommen. Jeder auf seine Weise. Hier die meine.
 

Kreta

    Die afrikanische Platte schiebt seit etwa 100 Millionen Jahren unter die eurasische und richtet so, per Subduktion, den europäischen Plattenrand auf. Ergebnis ist im Bereich der Ägäis die steil aufragende, etwa 250 km lange Insel Kreta. Durchzogen wird sie von einem Gebirgsrücken, der an mehreren Stellen über 2 000 m aufragt. Alles ist bedeckt vom Geröll des ehemaligen ägäischen Festlandsockels. Flora und Fauna sind typisch mediterran, so manches davon hat endemischen Charakter.

Kreta ist mit den ältesten europäischen Geschichten verbunden. Zeus ward hier geboren, hier auch gebar ihm die phönizische Prinzessin die Kinder Minos, Rhadamanthys und Sarpedon. Sie selbst wurde "Europa" genannt und nach ihr unser Kontinent. Hauptsächlich sind es die Urlauber, die Kreta das Geld bringen. Und die haben allen Grund, sich hier wohlzufühlen: Die Natur gibt reichlich, verlässlich warm ist es und lädt zum Bade. Sehenswürdigkeiten warten auf, von denen manche meinen, man muss sie unbedingt alle gesehen haben. Und das Essen schmeckt. Auch der Wein und der Raki  ein Tresterbrand ähnlich dem Grappa. Außerhalb der Tourismusgebiete sind die Menschen eher zurückhaltend. Zunächst ist da die Familie, danach kommen die Verwandten und Freunde. Und die Ausländer  na ja.


Von der Natur her am beeindruckendsten ist der steil abfallende Südteil der Insel. Hier im Westen die "Weißen Berge" mit dem 2 453 m hohen Pachnes. Im Winter schneebedeckt. Deutlich ist die Baumgrenze zu erkennen. Fast überall kann man hingelangen, auch hierher, ein Mietauto macht's möglich. Und anhalten ist auch überall möglich, zum Beispiel um Feigen zu klauen. Baumfrische!


a Nur per Boot zu erreichen, weit schwieriger zu Fuß, mit dem Auto gar nicht: Loutró. Aus einem kleinen Nest an der Südküste ist ein beschaulicher Urlauberort geworden, der Ruhe und Entspannung garantiert.

b Ein Ziegenbock, der weiß, dass er schön ist. Und frei. Oder so gut wie. Ab und an lässt er seinen Blick über Hora Sfakion drunten in der Tiefe schweifen.

c Klar erkennbar ebenfalls ein Bock. Doch einer von der Art Schaf. Angeseilt träumt er von einem Leben, das der Andere da oben genießt.


So sieht die Landschaft im späteren Sommer aus, geprägt von niedrigem, immergrünem Busch- und Strauchwerk, eine Pflanzenformation des östlichen Mittelmeerraumes, die Phrygana genannt wird.

a Überlebenschance haben vor allem Pflanzen, die sich mit Dornen und Stacheln zu wehren wissen.

b Die kugelförmigen Sträucher der Dornigen Bibernell (Sarcopoterium spinosum).

c Einem Mercedes-Stern ähnelnd, formen ihre blattlosen Seitentriebe im Winkel von 120° ein extrem dorniges Raumgebilde.


a Hafen von Chania an der Nordküste. Chania ist nach Heraklion (Iráklio) die zweitgrößte Stadt Kretas.

b Chóra Sfakion an der Südküste. Wo immer sich Touristen einfinden, sieht es so aus, wie es Touristen mögen. 

c Kretas größere Orte sind arm  arm an Parkplätzen. Die Menschen hier, so scheint es jedenfalls, sind weniger arm.


a Kaffeehäuser werden gern auch von Einheimischen besucht. Die Bezahlung erfolgt meist "einfach so", d. h. ohne Kassenbon. Überhaupt wird die Steuer gern umgangen, z. B. völlig legal, wie es heißt, indem die Häuser über Jahre hin zwar bewohnt, aber nicht fertig gebaut werden. Die EU schaut gnädig darüber hinweg.

b Kunstgewerbe in den Touristenorten allüberall. Ein größerer Einkauf, und die Schönheiten des Ladens strahlen gemeinsam mit der fremden.

c Schmierereien gibt es auch auf Kreta, und nicht nur in den größeren Städten. 


a Unglaublich, da droben auf des Berges Spitze eine Kirche! Ringsum ist nichts. Wer den Ort für den Gottesdienst erklimmt, hat sich eine Belohnung der besonderen Art verdient.

An den Bäumen im Vordergrund zeigt sich, wie scharf mal wieder der Nordwind bläst. 

b Prunkvolle Grabmäler, wie sie für die griechisch-orthodoxe Bevölkerung typisch sind. Man hat den Eindruck, dass das Zuhause der Toten weit kostenaufwändiger ist als das der Lebenden.

c  Prunk auch in den Kirchgebäuden, hier Rhéthymnon an der Nordküste.

Oberhaupt der griechisch-orthodoxen Kirche ist der "Erzbischof von Athen und ganz Griechenland“. Ausschließlich Gott wird verehrt, kein quasi-polytheistischer Marien- und Heiligenkult also, und anders als in der römisch-katholischen Kirche wird ein Anspruch auf Unfehlbarkeit des Kirchenoberhauptes abgelehnt Rechtgläubigkeit eben, Orthodoxie.


a Kleinere Kirchen finden sich überall. Schmuckstücke, die selbst in nahezu verlassenen Ortschaften, wie hier auf der Südseite in Agios Ioannis am Fuße des Pachness, sorgsam gepflegt werden.

b In der Nähe, wie fast überall in etwas feuchteren Arealen, wächst der sogenannte Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus), alternativ "Keuschbaum" genannt. Als vermeintliches Ant-Aphrodisiakum genossen, sollten seine Inhaltsstoffe den Mönchen und Nonnen die Einhaltung des Keuschheitsgelübdes erleichtern.

c Gemütlich ist es hier in Agios Ioannis, und das Leben recht kostengünstig. Wie wär's, wenn wir uns diese Hütte ausbauten und zu eigen machten?


a Carlina gummifera, die Mastixdistel. Selbst den Ziegen vergeht hier die Lust aufs Knabbern. Die Pflanze wehrt sich mit bösen Stacheln und auch mit einem übel schmeckenden, klebrigen Milchsaft. 

b Da munden die Feigen viel besser. Nur eben, da hoch am Baume, ist für die Ziegen kein Rankommen. Die Einheimischen scheinen die Feigen zu schmähen, uns aber schmecken sie hervorragend.

c Nicht hingegen die Mandelblättrige Birne (Pyrus amygdaliformis). Wie bei unserer Wildbirne ist die Frucht holzig und schmeckt mies. Wie doch Gottes Schöpfung menschlichen Eingriffs in Form züchterischer Veredelung bedurfte, um zu wirklich Genießbarem zu gelangen. Ein paar Jahre oder Jahrzehnte noch, und die durch Gentechnikgegner verdummte Bevölkerung wird zu einem weiteren Einsehen finden.



a Den Reiz der digitalen Technik zu erklären, ist ohnehin nicht ganz einfach. Schon gar nicht, wenn die Griechischkenntnisse auf "Kaliméra!" und "Efcharistó!" begrenzt sind.

b Oberhalb der Straße wurde geschlachtet. Was, wollten wir gar nicht wissen.

c Zelebrierung eines Heiligen im Dorf Roustika (im Inselinneren, nördlich Rethymno), zu der sich die Bewohner festlich versammeln. Zwar gab man uns einigermaßen Auskunft über die Hintergründe, zur Teilnahme eingeladen aber wurden wir nicht. Man gehört halt nicht dazu!

a Müll wird weniger fleißig entsorgt als in anderen Ländern.

b Hausreste solcherart finden sich häufiger. Von stachligen Nachbewohnern werden sie gern angenommen.

c Insekten sind auffällig selten anzutreffen. Ab und an mal die Wanze Pandur (Lygaeus pandurus). Sie ist von den Kanaren bis nach Australien verbreitet.


Man fragt sich, wovon die Gottesanbeterin (Mantis religiosa) überhaupt lebt, wenn es an Insekten fehlt. Die Windschutzscheibe bleibt sauber, und noch nicht einmal flattert es des Abends an den Straßenlaternen. Sind es wie bei uns die Neonicotinoide, die die Insektenwelt umbringen? Bezeichnenderweise sieht man hier auf Kreta auch kaum Vögel. Insektenfressende nicht, und selbst die körnerfressenden fehlen, die für die Aufzucht ihrer Jungen Insektennahrung brauchen.


a Als Ausnahme-Erscheinung mal eine Orientalische Hornisse, Vespa orientalis. Bei Imkern ist sie unbeliebt. Dreist wartet dieses Ungeheuer vor den Bienenstöcken, um sich ihrer Bewohner zu bemächtigen. Denn außer vom Nektar schwärmt die Hornisse von leckeren Insekten.

b Die Ebensträußige Eberwurz, Carlina corymbosa. Karl der Große, so heißt es, soll sein Heer mit dieser Pflanze vor der Pest beschützt haben.

c Ephedra foeminea, eine Species des Meerträubels, die vom Balkan bis nach dem Mittleren Osten verbreitet ist. Sie enthält die Wirkstoffe Ephedrin und Pseudoephedrin  Phenylethylamine, die seit alters in der Medizin Verwendung finden. Als Sympathomimetika ahzmen sie die Wirkung des Sympathicus nach und werden heute in chemisch variierender synthetischer Form gegen Asthma brochiale, als Appetitszügler wie auch zur Antriebssteigerung eingesetzt.

a Am Straßenrand des Inselinneren sehr häufig anzutreffen: das Doldenblütengewächs Knotiger Ferulago (Ferulago nodosa). Beim Reiben der Blütenstände entwickelt sich ein angenehmer Duft von Fenchel oder Anis.

b Wo an der Südküste das Gebirge steil abfällt, gibt es tiefe Schluchten, in denen im Frühling das Schmelzwasser zu Tale schießt. Das Überqueren der Brücke bei Aradena ist nicht jedermanns Sache.

c An den Hängen findet sich der Kopfige Thymian (Thymus capitatus). Er soll dem kretischen Honig eine ganz besondere Duftnote verleihen.


Und dann die ornithologische Sensation: Gänsegeier (Gyps fulvus)! An der Südküste gar nicht mal selten. Widerstände gegen die EU-Richtlinie zur Beseitigung von Tierkadavern sollen sein Überleben begünstigen. Die extensive Beweidung durch die Ziegen und Schafe, von denen ab und zu mal eines umkommt, sorgt regelmäßig für ein "gefundenes Fressen". 


An Stellen, die von den Badelustigen eher gemieden werden, finden sich Lavabrocken, in die Oberflächengeröll eingebacken ist. Eigentlich wie geschaffen für eine reichhaltige Unterwasserwelt. Diese aber ist recht dürftig, mit der eines Korallenriffs nicht zu vergleichen.

 
 
 
 
Gerald, Wolf, Magdeburg, Gehirn, brain, Philosophie, Geist, Seele, soul, Gott, god, Bild, Foto, picture, image, Neurotheologie, neurotheology, Hirnforschung, Roman, novel, "Der HirnGott","Glaube mir, mich gibt es nicht", "Das Liebespulver", Magdeburg, humanities, Geisteswissenschaften, neurophilosophy, Neurophilosophie, mind, body, Hirn, nitric, Stickoxid, Wissenschaftsroman, Hirngott, Theologie, Neurotheologie, Gehirn, Gott, Reisen, Welt, Tiere, Pflanzen, Bilder, pictures, plants, animals, travelling