****       Sapere aude!         ****        
                 
Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! – forderte der Philosoph Immanuel Kant vor mehr als 200 Jahren. Er hatte etwas viel von uns verlangt, aber ein wenig sollten wir ihm schon entgegenkommen. Jeder auf seine Weise. Hier die meine.
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Rhodos, an der Südostecke Europas gelegen, zwischen der Ägäis und dem Mittelmeer, ist die viertgrößte Insel Griechenlands. Mediterranes subtropisches Klima, ab April bis in den Herbst verlässlich viel Sonne, komfortable Ferienresorts mit vier oder fünf Sternen, all inclusive – was braucht der Tourist mehr? Vielleicht noch eine Busreise zu den Attraktionen der Insel, vor allem aber sich am Meer oder am Pool in schönster Ruhe erholen. Alles möglich, bloß Ruhe? Man findet sie  im Inneren der Insel, schon nach ein paar hundert Metern abseits der Küste. So weit das Auge blickt, kaum ein Mensch, statt dessen immergrünes Busch- und Strauchwerk, die sogenannte Phrygana. Selbst die Ölbaumpflanzungen halten sich in Grenzen. Oliven lohnen sich nicht, Weidetiere auch nicht, der Tourismus ernährt die Rhodier viel besser.


Phrygana. Wer sie durchstreift, muss hernach einige Zeit aufwenden, um sich die Stich- und Kratzwunden zu lecken und die Stacheln aus den Füßen herauszupoken. Die Pflanzen wissen halt, wie man sich gegen Tierfraß schützt. Und gegen naive Touristen.


a Hier und da ein paar Ölbäume und auch Nadelbäume. Einst waren die Mittelmeerinseln dicht bewaldet. Das ging vor Hunderten von Jahren zu Ende. Immer mehr Menschen brauchten immer mehr Holz und immer mehr Weideflächen.

b Hier und da durchziehen Schottertäler die Landschaft. In den Zeiten, in denen es regnet, fließen hier ordentliche Wassermengen zu Tale. Von Restwasser in der Tiefe zeugt der Oleander (Nerium oleander), der dank seiner prächtigen Blüten auch die Gärten und Anlagen schmückt.

c Nicht ganz so prächtig, mit seinen typisch knittrigen Blütenblättern sogar ein wenig dürftig wirkend, die Zistrose. Hier die Graubehaarte Zistrose, Cistus creticus. Im gesamten Mittelmeergebiet häufig.

d Die Artischocken-Kratzdistel (Lampyropsis cynaroides). Disteln haben hässliche Stacheln, sind aber prachtvoll. Man muss nur näher hinschauen.

e An so manchen Orten verfallene Burgen. In ihnen schützten sich die Herrscher vor Übergriffen, vor allem wohl vor denen der Piraten. Eine Burg bei Asklepiou.

f Die Akropolis zu Lindos. Auch andere Ortschaften auf Rhodos haben eine solche "Oberstadt" (griech. akros - höchster, oberster, polis - Stadt). Am Fuße der Touristenmagnet Lindos mit vielen, vielen Souvenirläden und Restaurants.


a Die Händler müssen sich eine Menge einfallen lassen, um noch attraktiver als der Nachbar zu sein. Und ihnen fällt eine Menge ein.

b Das heimische Bier schmeckt. Eher besser noch als das der weltweit üblichen Handelsmarken.

c Rhodos-Stadt hat es verstanden, einen altertümlichen Stil zu wahren.

d Ein Restaurant einladender als das nächste.

e Sehr trutzig: Der Großmeisterpalast oberhalb von Rhodos-Stadt. Er gründet sich auf den baulichen Resten eines hier ansässigen Großmeisters vom Johanniter-Orden und sollte nach dem Ausbau in den 1940iger Jahren Mussolini als Herrschaftssitz dienen. Aber daraus wurde dann nichts.

f Der Hafen an der Nordspitze von Rhodos. Noch immer wird nach Resten des "Koloss von Rhodos" gesucht, eines der Sieben Weltwunder der Antike eine über 30 m hohe Bronze-Statue des Sonnen- und Stadtgottes Helios, wird gesagt. Nach dem Erdbeben von 227/226 v. Chr. blieb sie verschwunden.


a 97 Prozent der Rhodier gehören dem griechisch-orthodoxen Glauben an. Überall im Lande, mitunter aller paar hundert Meter, finden sich weiß getünchte, pieksaubere Kirchlein. Man fragt sich, wer sorgt für sie, wer bezahlt das alles?

b Ehrwürdiger noch die Klöster. Auch hier eine wundervolle Ruhe, die nur dann und wann von neugierigen Touristen unterbrochen wird.

Eine Gruppe Rhodier feiert in aller Abgeschiedenheit das Pfingstfest.

d Um dieses kleine Gespenst im Strauchwerk zu entdecken, muss man schon sehr genau hinsehen: Ameles decolor, die zu den Gottesanbeterinnen zählende Graue Fangschrecke.

e Ebenfalls versteckt lebend, die Süßwasserkrabbe Potamon potamios. Diese hier haust im berühmten "Tal der Schmetterlinge", um sich von eben denselben zu ernähren. Falls der eine oder andere von ihnen ins Wasser fällt.

f Da sind sie, die Helden vom "Tal der Schmetterlinge". Ganz Busladungen von erlebnishungrigen Touristen werden hier ausgekippt, um die Flattertiere zu bewundern. Euplagia (= Calomorpha) quadripunctaria ist es, der Russische Bär. Er gehört zu den Bärenspinnern. Jetzt im Mai ist er nur in einzelnen Exemplaren zu sehen. In den Sommermonaten aber kommt der Schmetterling hier zuhauf vor, um sich am Harz (Styrax) des Östlichen Amberbaumes (Liquidambar orientalis, hier im Bild) zu laben. Bislang machte man sich einen Spaß daraus, in die Hände zu klatschen, um die Tiere in Massen aufzuscheuchen. Mittlerweile ist das verboten, weil sie dadurch beeinträchtigt werden. Jedenfalls wurde ihre Anzahl zunehmend geringer.


Ist sie nicht wirklich schön, die Insel Rhodos?

 
 
 
 
Gerald, Wolf, Magdeburg, Gehirn, brain, Philosophie, Geist, Seele, soul, Gott, god, Bild, Foto, picture, image, Neurotheologie, neurotheology, Hirnforschung, Roman, novel, "Der HirnGott","Glaube mir, mich gibt es nicht", "Das Liebespulver", Magdeburg, humanities, Geisteswissenschaften, neurophilosophy, Neurophilosophie, mind, body, Hirn, nitric, Stickoxid, Wissenschaftsroman, Hirngott, Theologie, Neurotheologie, Gehirn, Gott, Reisen, Welt, Tiere, Pflanzen, Bilder, pictures, plants, animals, travelling