****       Sapere aude!        ****        
                 
Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! – forderte der Philosoph Immanuel Kant vor mehr als 200 Jahren. Er hatte etwas viel von uns verlangt, aber ein wenig sollten wir ihm schon entgegenkommen. Jeder auf seine Weise. Hier die meine.
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Sich über Wunder wundern

„Wunderbar“ und „wundervoll“ heißt es allerorten aus aller Munde. Als Wunder im Wortsinne gelten heutzutage weniger die Wunder der Bibel, dafür mehr die der Natur und der Technik. Zudem wundert man sich über unsere wundersamen Mitmenschen und all die Wunder der Politik. Die Uhr an der Wohnzimmerwand loben wir als ein Wunder an Präzision, man preist die wundervolle Wirkung von Arzneien und neuen Ernährungstipps, während Beethovens Neunte und Einsteins Relativitätstheorie als Wunder menschlichen Geistes gefeiert werden. Als Wunder wird empfunden, dass uns bisher ein Atomkrieg erspart blieb und dass, je nach Art und Datum der Weissagung, weder der Kölner Dom überflutet wurde noch der Berliner Tiergarten in brennender Sonne verdorrte. Auch hautnah erleben wir Wunder, an uns selbst und bei Anderen. Zum Beispiel ist es das reinste Wunder, dass die da im Nachbarhaus, die liebe Marleen, bei dem Kerl geblieben ist. Doch wird sie noch ein ganz anderes Wunder erleben, und zwar ihr blaues! Wikipedia zaubert für den Begriff „Wunder“ in einem einzigen Augenblick 52 700 000 Einträge herbei. Dafür hätte früher eine riesige Mannschaft jahrelang in Bibliotheken und Zeitungsarchiven blättern müssen. Heute macht das unser Handy in 0,6 Sekunden, ein wahres Wunder! Auf jeden Fall eines für den Laien, für den Fachmann eher nicht. Der weiß, wie Daten digital verarbeitet, gespeichert und in Millisekundenschnelle durchsucht und ausgegeben werden. Selbst riesige Mengen.  

Wunder entstünden aus einer Verletzung von Naturgesetzen, behauptete der schottische Philosoph David Hume schon im 18. Jahrhundert. Ansonsten seien es keine. Da Naturgesetze nun mal unverletzlich sind, kann es, so der Schluss, Wunder gar nicht geben. Tatsächlich lässt sich kein einziger Beweis dafür anführen, dass etwas über der Natur steht und über ihren Gesetzen. Welch eisenharte Konsequenz! Denn mit der Ablehnung von Übernatürlichem verbietet sich auch die Annahme von Gottes Existenz oder die sonstiger Gottheiten. Nicht jedermann und jedefrau können und wollen damit leben. Und machen wir uns nichts vor, ein bisschen wundergläubig sind wir doch alle. Die einen mehr, die anderen weniger. Wie stark, ist eine Frage der Spiritualität, der Glaubensfähigkeit. Diese muss durchaus nicht religiöser Art sein. Mehr noch ist es die Bereitschaft, das Herz sprechen zu lassen und nicht immer nur den kalten, klaren Verstand.

 Teste dich selbst!

Alles Mögliche kann getestet werden, der pH-Wert einer Lösung, das Vorhandensein von Corona-Nukleinsäureschnipseln, die Intelligenz, und ebenso – warum nicht? – die Neigung zur Spiritualität. Die Wenigsten werden die nachfolgenden Fragen (angelehnt an die des Psychiaters Robert Cloninger von der Washington University) ausschließlich mit Ja oder Nein ankreuzen wollen. Ziehen Sie sich bei deren Beantwortung besser ein wenig zurück, verehrte Leserin, verehrter Leser*:

·      Ich bin fasziniert von den vielen Dingen im Leben, die wissenschaftlich nicht erklärt werden können.                             

·      Ich scheine einen "sechsten Sinn" zu haben, der mir mitunter erlaubt zu wissen, was passieren wird.

·      Ich fühle mich mit den Menschen um mich herum oft so verbunden, als gäbe es keine Trennung zwischen uns.

·      Immer führe ich einen Talisman bei mir.

·      Oft habe ich unerwartete Geistesblitze, wenn ich mich entspanne.

·      Wenn immer möglich, versuche ich, Tiere und Pflanzen vor Schaden zu bewahren.

·      Ich habe gelernt, meinen Gefühlen mehr zu vertrauen als irgendwelchen logischen Gründen.

·      Ich fühle zu allen Menschen um mich herum mitunter eine starke innere Verbindung.

·      Wunder können Wunder bewirken. Das weiß ich aus eigener Erfahrung.

·      Ich habe persönliche Opfer gebracht, um die Welt besser zu machen, z. B., um mitzuhelfen, Krieg, Armut  und Ungerechtigkeit zu verhindern.

·      Wenn ich mich auf etwas konzentriere, vergesse ich oft die Zeit.

·     Ich habe aufregende Erfahrungen gemacht, durch die mir meine Rolle im Leben erst so richtig klar wurde. Regelrechte Glücksmomente waren das.                                                                                                       

* Je öfter ein „Ja“, umso ausgeprägter die Tendenz zur Spiritualität *

Menschen mit einer Tendenz hin zum Spirituellen empfinden Rätselhaftes weit weniger beunruhigend als eingefleischte Skeptiker. „Wenn es so ist, dann ist es eben so“, sagen sie sich. Ihr Leben verläuft ausgeglichener und ist eher von Zufriedenheit geprägt als beim Gegenpart. Der rätselt und tüftelt und ist oft dauerhaft unzufrieden, wenn er keine rechte Lösung findet. Falls doch, hält sein Glück gewöhnlich nicht lange an, neue Aufgaben hat er sich ausgedacht. Bei entsprechender Intelligenz verkörpert der Skeptiker den Forscher- und Erfindertyp. Sein charakterliches Gegenüber neigt eher zum Schöngeist und erfreut sich, da weniger getrieben, zumeist einer größeren Beliebtheit. 

Wunder, private und öffentliche

Es gibt viele Dinge und Ereignisse, deren Eigenheiten wir uns nicht erklären können. Die einen lässt das kalt, die anderen eher nicht. Aber selbst wer sich ernsthaft um eine Erklärung bemüht, bleibt oft im Rätselhaften stecken. Mitunter sind es Trivialitäten. Da findet sich ein Schlüssel nicht, an allen möglichen Stellen wird gesucht und gesucht, auch im Tischkasten, wo er eigentlich zu sein hat. Dreimal schon hatte man dessen Inhalt durchwühlt, und beim vierten Male liegt das verdammte Ding offen vor Augen! Als ob jemand den Schlüssel heimlich zurückgelegt hätte. Aber da ist niemand sonst, der Zugang zur Wohnung hat. Unbegreiflich, ein Wunder!  Oder: Ein wochenlanger Schmerz im Ellbogen, nichts wirkte, kein Schmerzmittel, die Massage nicht, die Wärme-, Kälte- und Strahlenbehandlung nicht und auch nicht die Hypnose und die Akupunktur. Da kam die Nachbarin und hatte den Schmerz ganz einfach weggezaubert, durch Handauflegen, binnen einer Viertelstunde!

Und dann die Wunder, die die Volksmassen bewegen. Von der griechischen Antike her kennt man sie, aus der Bibel und aus unserer eigenen Geschichte. Noch heute glauben Millionen und Abermillionen an die Wunder, die Jesus Christus vollbracht hatte oder vollbracht haben soll. Auch an die Wunder, die von Heiligen bewirkt wurden oder die ihnen widerfahren sein sollen. Man denke an Lourdes in Südfrankreich, wo im Jahre 1858 einer Vierzehnjährigen die Mutter Gottes erschienen sei. Oder an das portugiesische Fátima, in dessen Nähe am 13. Oktober 1917 mehr als dreißigtausend (!) Menschen, Gläubige wie Ungläubige, das Sonnenwunder erfahren haben, eine sich am Himmel drehende Scheibe. An demselben Ort soll zuvor drei Mädchen die Jungfrau Maria begegnet sein. Zuletzt erst, im Jahre 2019, kamen mehr als sechs Millionen Pilger nach Fátima, um das heilige Flair zu atmen und dessen Wunder an sich selbst zu erfahren. 

Wissen statt wundern

Was nicht alles haben die moderne Wissenschaften hervorgebracht, allzumal die Technik und die Naturwissenschaften, das Wundern gleichkommt. Nicht per Zauberstab, nein, durch Wissen. Der Umfang des Wissens, das die Menschheit bis heute angesammelt hat, ist unschätzbar hoch. Daran gemessen erscheint das eines jeden Einzelnen von uns als ausgesprochen dünn. Auf welchem Gebiet auch immer, bestenfalls kann man versuchen, einem jeweilig interessierenden Detail so tief wie nur irgend möglich auf den Grund zu gehen. Nicht selten bleibt dann festzustellen, wie begrenzt trotz allem die Wissensbasis der Menschheit ist. Obwohl z. B. allein auf dem Gebiet der Medizin und der biomedizinischen Forschung in einem einzigen Jahr, dem von 2020, weltweit mehr als 1 600 000 wissenschaftliche Veröffentlichungen gemeldet wurden (Metadatenbank PubMed, United States National Library of Medicine)! Niemand kann das sich hier Tag für Tag, Jahr für Jahr, anhäufende Wissen auch nur einigermaßen überblicken. Der Wunderdoktor entstammt dem Wunschbild des Kranken, nicht der Realität.

Oft wird nur so getan, als ob das Wissen, das man für sein Handeln, Lehren und Argumentieren eigentlich braucht, tatsächlich auch vorhanden ist. Mitunter gilt das für die Wissenschaft selbst, die ja nun gerade dafür antritt, Wissenslücken aufzudecken, um sie, falls irgend möglich, zu schließen. Da gibt es Klimatologen, die so tun, als wüssten sie über die Ursachen des Klimawandels genau Bescheid, auch wie diesen beizukommen ist. Und wozu überhaupt. Bekannt indes ist, dass sich das Klima multifaktoriell, nichtlinear und chaotisch entwickelt, mithin seine Entwicklung nicht wirklich berechnet werden kann. Und schon gar nicht auf Jahre voraus. Ähnlich wollen manche Virologen genau erkannt haben, wie der derzeitige Corona-Pandemie beizukommen ist. Die Regierungen, auf ein Wunder hoffend, hören auf sie, nur eben funktionieren die Ratschläge nicht. Hier wie dort werden Diskurse mit Andersdenkenden vermieden, konsequent, zumal solche in aller Öffentlichkeit. Der Nimbus der Unfehlbarkeit könnte leiden.

So auch gibt es Wissenschaftler, die mit dem Anspruch allwissender Priester auftreten, wenn es um das menschliche Gehirn und dessen Funktionsmechanismen geht. Da werden Kisten gepackt, auf denen „Neuro-“ draufsteht, aber nur Psychologie drinsteckt. Was drin ist, wird mit ein paar bunten Hirnbildern drapiert, wie sie die funktionelle Magnetresonanztomografie liefert, um, schwuppdiwupp, die funktionelle Architektur des wundervollsten der menschlichen Organe, die des Gehirns, zu enträtseln. Nur eben gelingt das, weil viel zu komplex, kaum ansatzweise. Und das Gehirn bleibt für uns alle ein Wunder, für die Besitzer wie für die Forscher. Mit Wundertüten laufen auch die Ernährungsexperten herum, die Pädagogen, all die Genderforscher_innen, Kommunikationsfachleute und wer da auch immer sonst zu nennen bleibt, wenn er vorrangig durch ein bedeutungsvoll klingendes Vokabular versucht, erkennen zu geben, wie großartig die Wunder seiner Erkenntnisse sind. Seit vielen Jahrzehnten häufen diese Forscherinnen und Forscher Ergebnisse an, doch kaum einer merkt das.

Weil menschlich, ja allzu menschlich, mag solcherart Schaulaufen hinnehmbar sein, solange es die Gesellschaft nur zu finanzieren hat. Bedenklich wird es, wenn derlei Ergebnisse in die Gesellschaft hineinwirken. Allemal dann, wenn sich ihrer die Politik annimmt. Dann drohen Wunder, blaue Wunder.

 

 

 

 

 

 


Die da oben sind doch alle ...

Nein, das sind sie eben nicht, das, was jetzt die meisten denken werden. Doof ist eher der, der so was denkt. Denn jeder, der oben ist, musste nicht nur klettern können, er muss auch clever sein. Man stelle sich den Klettersteig einer unserer beiden großen Parteien vor mit jeweils fast einer halben Million Mitgliedern. Wer doof ist, stürzt schon auf den ersten Metern, falls er überhaupt nach oben will. Je höher er klettert, um so verbissener kämpfen die Kumpane mit ihm um einen Platz, und nur die wirklich Fähigen schaffen es in die oberen Etagen. Klug müssen sie sein, keine Frage, aber nicht die Allerklügsten. Fast wichtiger noch scheint es, pfiffig zu sein, Verbindungen zu pflegen, zur richtigen Zeit an den richtigen Strippen zu ziehen und das Umfeld zu überzeugen, eher als der Mitbewerber in der Lage zu sein, der großen gemeinsamen Sache zu dienen. Und Reden muss man können, überzeugen. Auch dann, wenn man nicht im Recht ist. Gerade dann.

In trauter Runde wars, da ging es mal wieder um die da oben, von wegen ob die da nicht alle und so weiter. Da griff einer von uns nach einem Löffel und mimte damit den Interviewer. Als Mikrofonersatz hielt er den Löffel einem nach dem anderen vor die Nase, um sie in Sachen Politik zu befragen. Die meisten reagierten mit Feixen, einer sträubte sich zunächst, am Ende aber wollte sich keiner lumpen lassen. Und los ging’s. Doch nicht lange hin, da wurden die Antworten holpriger, und Ähs häuften sich. Rückgefragt, wie denn das oder jenes zu verstehen sei, wie zu präzisieren oder zu begründen, wurde das Lächeln immer verkrampfter. Eher früher als später winkte man ab, das Ganze sei eben nicht so ihr Gebiet. Okay. Ich selbst begann dann mit Fragen zu deren eigenem Fachgebiet. Von der Sache her sah das sehr viel besser aus, natürlich, oft aber haperte es mit der Verständlichkeit. Tja, wie etwas so erklären, damit das Gegenüber versteht, wie es zu verstehen ist? Allzumal fehlte es an rhetorischem Schwung.

Arrivierte Politiker und die Medienleute kommen da weit besser rüber. Weit, weit besser. Selbst dann, wenn sie auf dem Holzweg sind, entweder weil sie sich in den Fakten nicht auskennen oder einfach um der vom Mainstream vorgegebenen Linie Tribut zu zollen. Oder beides. Politiker jeglicher Couleur von dunkelrot bis schwarz bleiben wortgewandt und überzeugend, auch wenn sie persönlich ganz anders denken mögen als sie sprechen. Nein, doof kann man da nicht sein. Ganz im Gegenteil.

Der Geochemiker ist der Dumme

Stellen wir uns vor, in einer öffentlichen Diskussionsrunde ginge es um den Zusammenhang von CO2 und Erderwärmung. Nach den üblichen gut eingefahrenen Argumenten bis hin zur Warnung vor der Klimakatastrophe bringt einer der Teilnehmer die Frage auf, ob denn das CO2 nun tatsächlich die Ursache oder vielleicht doch eher die Folge der Erderwärmung sei. Verblüffung, diese Frage war mit der Veranstaltungsleitung nicht abgestimmt. Die Moderatorin erkundigt sich, wie er das denn meine. Nun, so die Antwort, die Anreicherung der Atmosphäre mit CO2 wäre, ganz klar, die natürliche Folge einer allgemeinen Erwärmung. Aber könne sie auch deren Ursache sein? Wieso, entrüstet sich eine Teilnehmerin, Mitglied einer längst etablierten Partei, was denn das heißen solle! Der erste wieder, sie möge sich einmal vorstellen, sie setze ein Gefäß mit kaltem Sprudel auf eine Herdplatte und erwärme diese. Was passiert? Die prompte Antwort: Das könne sie sich nicht vorstellen, weil sie grundsätzlich stilles Mineralwasser bevorzuge. Das Publikum lacht, Sympathie schwingt mit. Der Fragesteller macht weiter und behauptet, bei einer Erderwärmung würden – so wie das CO2-haltige Mineralwasser auf der Herdplatte – sämtliche Gewässer das in ihnen gespeicherte CO2 ausgasen, die Ozeane, Seen und Sümpfe, auch der Boden. Mit steigender Temperatur nehme die Löslichkeit für Gase bekanntermaßen ab und daher … Die Diskussionspartnerin winkt ab, wiegt zweifelnd den Kopf, und die anderen in der Runde wiegen zweifelnd mit. Das bringt den Fragesteller in Harnisch, und er setzt fort, die Rolle, die CO2 als Klimafaktor neben so vielen weiteren und weit wichtigeren spiele, sei außerordentlich verwickelt. Ohnehin gingen gerade einmal drei bis fünf Prozent der CO2-Produktion auf den Menschen zurück, und sogar ein Abkühlungseffekt wäre möglich. Man brauche nur das Stefan-Boltzmann-Gesetz herzunehmen. Im Publikum gelangweiltes Stöhnen, und nach einigen Erläuterungen beginnt man in der Runde zu grienen. Die Moderatorin winkt ab und meint, das alles sei sicherlich sehr interessant, aber die hier aufgeworfenen Fragen zu diskutieren fehle die Zeit. Im Übrigen, betont einer in der Runde, wären sich ja 97 oder gar 100 Prozent der Experten einig, und zwar weltweit, dass das CO2 die Ursache für die Erderwärmung ist, die Ursache also und nicht die Folge. Und, gibt die Politikerin von vorhin dazu, mithin der Mensch! Bescheid wissend und klug kommt es von ihr. Die Diskussionsrunde strahlt, auch das Publikum wirkt erleichtert. Nur der eine nicht. Nicht doof ist er, ganz und gar nicht, aber der Dumme. Als Geochemiker wurde er vorgestellt.

Details, igitt!

Gleich ob Finanzen, Corona oder Gender-Fragen, ob Natur- und Landschaftsschutz, Probleme mit den Flüchtlingen oder Alltäglichkeiten in den Kreisen und Gemeinden – im Konkreten sind es Verwaltungsleute, die sich darum zu kümmern haben. Drüber aber, über ihnen, wachen die Politiker, die der einzelnen Ressorts. Fachleute eher nicht. Wenn überhaupt, werden sie fast immer nur dann herangezogen, um zu bekräftigen, was die Politiker zu den jeweiligen Fragen sagen oder sagen wollen. Dann auch werden die Fachleute, allzumal solche der gefälligen Art, gern als Experten gehandelt. Unter hunderten und tausenden anderen nicht minder Kompetenten sind das immer nur einige wenige. Die anderen werden sorgfältig beiseitegeschoben, sofern über ihre Loyalität Unsicherheit besteht. Sie könnten ja mit ihren Ansichten im Volk Verwirrung stiften. Absolutes Auftrittsverbot, wenn sie mit ihren Sprüchen im Widerspruch zum Mainstream stehen. Und diesen gebären Minderheiten, oft nur einzelne Köpfe. Sache nachgeordneter Strukturen ist es dann, das, was da herausrinnt, so zu pflegen und zu kanalisieren, dass es für die Massen wirksam wird. Diskurse, die mit den von da oben gepflegten Auffassungen ins Gericht gehen, müssen, weil brandgefährlich, unter allen Umständen verhindert werden. Gefühlte vier Fünftel der Bevölkerung mögen ohnehin keine Debatten und nehmen das, was sie zu den jeweiligen Themen über die staatsnahen Medien erfahren, als Wahrheit hin. Die meisten interessieren sich ohnehin nicht für Politik, tun könne man eh nichts und außerdem, was soll‘s?

Gleich ob Mitglied in Regierungs- oder Oppositionsparteien, die an der Spitze der Gesellschaft sind klug genug, Mühen zu vermeiden, wenn sie ihnen nichts bringen. Schade um die Zeit. Denn die lässt sich weit einträglicher für anderweitige Tätigkeiten nutzen, z. B. für solche in Verwaltungsräten. Warum auch sollten sie sich, wenn es um den Klimaschutz geht, mit Mühe und viel Zeit erarbeiten, was da irgendwelche Klimatologen über den Einfluss der Sonnenaktivität herausbekommen haben? Sich gar in die Infrarot-Spektroskopie der atmosphärischen Gase hineindenken? Das CO2 ist es, sagen ja alle, und gut. Was auch kümmern die Politiker die Stickoxidsynthasen in unseren Zellen und die körpereigene Stickoxidproduktion, wenn es um die Stickoxide in der Stadtluft geht? Und entsprechende Fahrverbote bis hin zur Drosselung unser Kraftfahrzeugindustrie. Oder warum sollten sich unsere Politiker Gedanken machen um den Zusammenhang zwischen staatlich geförderten Energiepflanzen-Monokulturen und dem Verschwinden der heimischen Lurche und Reptilien und dem hunderter Schmetterlingsarten? Nein, das ist jeweils Sache von Anderen. Ebenso die Bevölkerungsdynamik in unseren Städten und deren Folgen, die Trends unserer wirtschaftlichen Entwicklung, das Ansehen unserer Wissenschaft in der Welt, die schulischen Leistungen unserer Kinder, die Kosten und die Sicherheit unserer Energieversorgung. Oder was hat die Politiker auf den Bänken in den Parlamenten im Einzelnen die Ethnik der Kriminalität oder unsere Staatsfinanzen zu kümmern.

 

Doof sind die Anderen

Nein, nicht diese Einzelheiten, den Politikern genügt das Ungefähre. Für das Spezielle gibt es nun mal die Spezialisten. Und deren Ergebnisse zu verstehen, braucht es wiederum Spezialisten, nicht Politiker. Nur die Politik, die am Ende herauskommt, beziehungsweise herauskommen soll, ist Sache der Politiker. Schön dumm wären sie (um nicht „doof“ zu sagen), wollten sie für Fehlentscheidungen die Konsequenzen tragen. Etwa weil diese zu vermeiden gewesen wären, hätten sie sich genügend informiert, gar auf unbequemen Wegen über Details. Apropos Konsequenzen, sie tragen zu helfen, hieße für die Politiker, mit ihren Familien – allen anderen voran – in Gegenden zu ziehen, die vorwiegend von Flüchtlingen bewohnt sind, von jenen, für die sie Tür und Tor öffnen lassen. Auch müssten sie ihre Kinder auf staatliche Schulen schicken, wo sie zusammen mit den Problemkindern zu lernen haben. Oder gar lernen, was es mit den „Infektions“-Zahlen auf sich hat, wie das mit dem PCR-Nachweis der Coronavirus-RNA läuft, und was er aussagt und was nicht? Und wenn sich dann doch ein Politiker, ein studierter Kommunikationswissenschaftler vielleicht, tage- und nächtelang hinsetzt, um die Grundlagen der Nukleinsäure-Biochemie zu lernen und schließlich zu erfahren, dass es im menschlichen Organismus eben doch reverse Transkriptasen gibt – Enzyme, die an einer verimpften Virus-RNA entlanggleiten, um nach deren Muster DNA zu synthetisieren, die in der Lage ist, sich in unser Erbgut einzufügen. „Schön doof!“, würden dann die meisten im Volk denken.

Nein, das sind sie nicht, die da oben. Eher die Anderen.