****       Sapere aude!        ****        
                 
Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! – forderte der Philosoph Immanuel Kant vor mehr als 200 Jahren. Er hatte etwas viel von uns verlangt, aber ein wenig sollten wir ihm schon entgegenkommen. Jeder auf seine Weise. Hier die meine.
____________________________________________________________________________________________________________________________________________

KOMPAKT Zeitung, 9. Jg., 1. April-Ausgabe 2020. S. 11



Viren – winzig, aber oh-oh!

Das neue Virus hat alle anderen Themen vom Markt verdrängt, sogar Greta. Selbst die Uhren würden angehalten, wenn das irgendwie hülfe. Ganz im Nebenher hat man nun auch gelernt, dass es das Virus heißen muss. So wie bei Corpus und Opus – das und nicht der. Auch weiß ein jeder, dass sie klein sind, die Viren, für unser Auge unsichtbar, und trotzdem kreuzgefährlich.

Klein gegen groß, das kennt man von der biblischen Geschichte her: Um den Riesen Goliath zu besiegen, bedurfte es nicht eines noch riesigeren Riesen, nein, der kleine David reichte aus. Seine Steinschleuder war es, die im Kampf gegen die brutale Gewalt obsiegte. Seitdem wurden die Waffen zum einen immer größer und immer gewaltiger – Kanonen, Panzer, Kampfflugzeuge, Raketenwaffen entstanden – und zum anderen, die der Davidschen Art, immer kleiner. Und raffinierter. Heute wiegen sie gar nichts mehr, sie bestehen nur noch aus Information. Entwickelt für einen sehr speziellen Krieg, den Cyber War.

DNA oder RNA, mit Hülle oder ohne

Die Biologie kennt sie schon lange, diese Waffen, die im Eigentlichen nur noch aus Information bestehen. Als Waffenträger dienen die Viren und als Träger für die Information deren Nukleinsäuremoleküle, entweder eine DNA oder eine RNA. Fast immer kommt noch eine Hülle dazu, in die die Nukleinsäure verpackt wird. Winzige Teilchen ergeben sich so, ihre Größe beträgt je nach Virus-Art zwischen einem hundertstel und einem halben Mikrometer (15 bis 450 nm). Ist mit der Infektion die Virusinformation in Form der DNA bzw. der RNA erst einmal in die Zellen eines jeweiligen Wirtsorganismus gelangt, dann diktiert sie, was die Wirtszellen forthin zu tun haben. Vor allem, wie nach dem virus-eigenen Strickmuster weitere Viren zu produzieren sind. Denn die Viren können sich nicht selbst vermehren. Sie sind so raffiniert gebaut, dass sie auf einen eigenen Stoffwechsel verzichten und sich für die Vermehrung den der Wirtszelle ausborgen. Die Viren sind mithin keine „echten“ Lebewesen, vielmehr werden sie von ihren Wirtszellen gelebt! Und das klappt. Seit Urzeiten schon. Mit mindestens zwei Millionen Virusarten wird gerechnet, und diese befallen die Zellen ganz unterschiedlicher Arten von Tieren (unter ihnen eben auch von uns Menschen), von Pflanzen und von Pilzen sowie von den unterschiedlichsten Bakterienarten.

Die Wirtsorganismen sind den Viren nicht etwa hilflos ausgeliefert. Bakterien z. B. produzieren Enzyme, Nukleasen genannt, mit denen sie die Virusnukleinsäure zerschneiden. Hochspezifisch machen sie das, denn die zelleigenen Nukleinsäuren bleiben verschont. Viele Tiere hingegen und mit ihnen wir Menschen nutzen vor allem das Immunsystem, um sich einer Virusinfektion zu erwehren. Dies alles provoziert wiederum die Viren, die Abwehrmaßnahmen der Wirte durch Neuentwicklungen unschädlich zu machen. Ihnen gelingt das mittels zufälliger Änderungen der Virusnukleinsäure, Mutationen genannt. Wiederum rein zufällig funktioniert eine von ihnen, eine unter Millionen, indem sie, ohne die Kampffähigkeit des Virus zu beeinträchtigen, die Abwehrmechanismen der Wirtsorganismen überraschen. Die meisten von uns kennen das aus eigener Erfahrung. Wohlweislich hatte man sich eine Grippe-Schutzimpfung verpassen lassen und erkrankte im nächsten Winter dennoch an einer Grippe. Eben weil sich mittlerweile ein neuer Influenzavirus-Typ entwickelt hat, einer, der von dieser Art der Aktivierung unseres Immunsystems nicht betroffen wurde.

Was ist neu bei dem Corona-Virus?

Ist es überhaupt neu, dieses Virus? Gemessen an unserem bisherigen Kenntnisstand, durchaus. Erstmalig wurde der Erreger Ende des vorigen Jahres in China entdeckt. Seitdem hat er eine der schlimmsten Virus-Epidemien verursacht – eine Pandemie, die womöglich schlimmste überhaupt. Äußerlich unterscheidet sich dieses Virus von anderen Viren durch einen Kranz von Molekülen auf der Hülle, der bei elektronenmikroskopischer Betrachtung einen strahlenartigen Eindruck vermittelt, den einer Corona (lat. Corona – Kranz). Unter vielen weiteren solcher Corona-Viren gibt es sieben Typen, die beim Menschen Krankheiten verursachen, zumeist in der Art einer eher harmlosen „Erkältung“. Anders das ebenfalls zu den Corona-Viren zählende SARS-Virus (Severe Acute Respiratory Syndrome), das in den Jahren 2002/2003 eine Pandemie verursacht hatte. Wegen der engen Verwandtschaft wird die neue, dem chinesischen Wuhan entstammende Virus-Art als SARS-CoV-2 bezeichnet, die Erkrankung als COVID-19.

Die große Frage: Woher kommt das neue Corona-Virus? Naheliegend scheint zu sein, dass es, bislang unentdeckt, die gesamte Zeit über bei irgendeiner Tierart zuhause war und von da durch Zufall oder durch Verzehr auf den Menschen überkommen ist. Verdächtigt wurden Fledermäuse und, besonders wohl, die Schuppentiere, auch Pangoline genannt. Alternativ könnte eine bislang eher harmlose Corona-Virus-Art durch eine Reihe von Mutationen eine so gefährliche Variante hervorgebracht haben. Solchen Vermutungen kommt entgegen, dass es sich bei den Corona-Viren wie auch bei den Grippe-(Influenza)-Viren um Erreger handelt, deren Erbinformation aus RNA besteht. Die RNA ist viel wandlungsbereiter als die DNA, die bekanntlich nicht nur bei uns Menschen die Erbsubstanz stellt, sondern bei sämtlichen echten Lebewesen und so eben auch bei den DNA-Viren.

Karriere auf der politischen Bühne

Bei genauerer Analyse der molekularen Struktur von SARS-CoV-2 treten Besonderheiten zutage, die sich schwerlich als natürlich entstanden interpretieren lassen. Manche Molekularbiologen sehen darin einen Hinweis auf eine künstliche Konstruktion. Das Ergebnis von Biowaffenexperimenten etwa, durch Unachtsamkeit aus einem Labor entwichen? Eine Verschwörungstheorie, schallt es da an allen Ecken und Enden. Mag sein. Der Zukunft vorbehalten bleibt, das Rätsel Coronavirus SARS-CoV-2 zu lösen. Und, vor allem, ein Gegenmittel zu entwickeln. Wer wird der Schnellste sein? Endlich mal wieder unser Deutschland? Immerhin – Ehre, wem Ehre gebührt! – ist von Versuchen zu hören, uns ein ganzes Labor abzukaufen.

Demgegenüber stehen die verantwortungstragenden Politiker unseres Landes in der Kritik. Erst als in Deutschland pro Tag mehr als eintausend neuer Erkrankungsfälle auftauchten, beschloss man rigorose Maßnahmen. „Warum so spät?“ tönt es auf allen Ebenen. Andere Länder waren längst vorangegangen, auch innerhalb der EU. Grenzen dicht, Schengen adé! – ruft es da, während innerhalb Deutschlands noch immer die Kleinstaaterei weitergepflegt wird.

„Es gibt nichts Schlechtes, was nicht auch sein Gutes hätte“, lautet ein Spruch. Sollte die Corona-Pandemie tatsächlich auch etwas Gutes im Gewand führen? 



KOMPAKT Zeitung, 9. Jg., 1. März-Ausgabe 2020. S. IVX-XV



Lesen kurbelt den Hirnmotor an

Dieser Text ist ein Test. Jeder möge sich prüfen, ob er geneigt ist, ihn bis zum Ende durchzulesen, um damit seine Hirnmotoren auf Touren zu bringen.

Lesen ist für den Geist, was sportliche Übungen für den Körper sind. Heißt es. Tatsächlich, beides ist anstrengend, in unserem Sprachgebrauch unterscheiden wir gar nicht zwischen geistig und körperlich anstrengend. Und anstrengend war es, als damals in der ersten Klasse alle die 30 Buchstaben gelernt werden mussten. Man hatte sich zu merken, wie sie heißen, wie sie klingen und zu schreiben sind, und wie daraus Worte und ganze Sätze werden. Es war, als könne man hören, wie da der Hirnmotor brummt. Für uns Erwachsene ist das alles ein Klacks. Wie das Fahrradfahren, das Autofahren und das Schwimmen. Denn das Gehirn entwickelt für wiederkehrende Aufgaben Automatismen, und diese mindern die Anstrengung. So weit, bis wir von der einstigen Mühe gar nichts mehr spüren.

Mit bildgebenden Verfahren (funktionelle Kernspintomografie, Positronenemissions-Tomografie) lässt sich dem Gehirn bei der Arbeit gleichsam zusehen. Wechselnde Muster aus roten und gelben, grünen und blauen Flecken sind zu erkennen. Sie entsprechen Aktivitätszonen, die farblich kodiert werden. Zwar ist das Gehirn immer „irgendwie“ aktiv, selbst im Schlaf bleiben seine Motoren angeschaltet. Die räumliche Verteilung der jeweiligen Aktivitätsmuster aber unterscheidet sich. So eben beim Lesen oder beim Schreiben oder auch, wenn wir nur zuhören. Flüchtiges Lesen stellt sich mit den bildgebenden Verfahren anders dar als das Buchstabieren eines fremdsprachlichen Textes. Und Hirnregionen, die uns Angst oder Wut empfinden lassen oder Spannung oder Mitleid, werden beim Lesen genauso aktiviert, als ob es sich um reale Erlebnisse handelte.

Lesen schafft Wissen, das andere Leute zuvor erworben haben und uns in der Schriftform mitteilen. Grundlage für die Anreicherung von Wissen ist die Lernfähigkeit, für die wir eine ganz besondere Begabung aufweisen. Der Mensch ist ein „Lernwesen par excellence“. Dafür sorgen in unserem Gehirn spezielle Speichermechanismen und Speicherorte. Doch ist darüber trotz jahrzehntelanger intensiver Forschung bis heute nur Bruchstückhaftes bekannt. Dann mitunter in winzigsten Details. Allerdings eben bleibt im Verborgenen, wie sich diese zu einer geistigen Leistung zusammenfügen. Wir Hirnforscher haben nicht geringste Vorstellung davon, wo im Gehirn der Buchstabe A repräsentiert wird und wie, wo und wie das M und wo und wie das Z. Geschweige denn, wo im Gehirn alle die Bücher und Skripten abgelegt sind, aus denen wir zuvor gelernt haben. Auf welche Weise lässt sich darin blättern, wie sieht das inwendige Lesen der gespeicherten Textstellen aus?

Andererseits wissen Hirnforscher eine ganze Menge darüber, wie die Motoren beschaffen sind, die unsere Hirnleistungen überhaupt erst ermöglichen, so auch die des Lesens. Im Wesentlichen handelt es sich dabei um molekulare Pumpen für Stoffe, die sie durch die äußeren und inneren Zellgrenzen (Membranen) zu transportieren haben.  Vor allem sind das Ionen, atomare oder molekulare Träger von elektrischen Ladungen also. Diese sorgen für die elektrische Spannung, die an den Membranen anliegen und mit deren Änderung Informationen kodiert und weitergeleitet werden. Insgesamt kommt in unserem Oberstübchen eine Leistung von etwa 20 Watt zusammen – einem Fünftel des Energieverbrauchs unseres Körpers. Immerhin, denn die Hirnmasse entspricht nur etwa 2 Prozent der Körpermasse.

Unser Gehirn verfügt über etwa 100 Milliarden reichlich verzweigter Nervenzellen und etwa ebensovielen Begleitzellen, Gliazellen genannt. Die Nervenzellen bilden jeweils hunderte, zum Teil auch zehntausende hochspezialisierte Kontaktstellen aus, sogenannte Synapsen. Über sie werden Informationen von Zelle zu Zelle ausgetauscht und weitergeleitet. Nur wenige solcher synaptischer Schaltstellen sind erforderlich, um jede der 100 Milliarden Nervenzellen mit jeder anderen zu verbinden – ein wahrhaft gigantisches Schaltwerk. Bald deutlicher, bald weniger deutlich abgegrenzt gibt es darin funktionelle Zentren, die sich von anderen solchen Funktionszentren unterscheiden.

Zum Beispiel lässt sich als Teil der Sprachzentren ein spezielles Lesezentrum nachweisen. Wird es durch einen Schlaganfall außer Gefecht gesetzt, gelingt das Lesen plötzlich nicht mehr. So tragisch das für die Betreffenden auch ist, sind solchen Beobachtungen detaillierte Kenntnisse zur Organisation der Lesebefähigung zu verdanken. Bei Menschen mit einer angeborenen Leserechtschreib-Schwäche ist die Hirnaktivität in diesem Zentrum verringert. Konzentriertes Üben verbessert die Fähigkeiten. Dann heißt es: lesen, lesen, lesen!

Überhaupt ist anzuraten: viel lesen! Lesen bedeutet für das Hirn viel Arbeit, und das tut ihm gut. Mit bildgebenden Verfahren ist dabei ein Mosaik aus aktivitätskodierenden roten, gelben, grünen und blauen Flecken auszumachen, das durch seine Kleinteiligkeit auf eine insgesamt höhere Aktivität schließen lässt. Ganz besonders gilt das dann, wenn Schul- und Lehrbücher verschlungen werden – eine auch im Wortsinn schweißtreibende Arbeit, vor allem in Prüfungszeiten. Menschen, die aus innerem Antrieb oder beruflich engagiert gewöhnt sind, viel zu lesen, halten ihr Gehirn auf Trab. Das erweist sich als gewinnbringend auch im Alter. Und gerade im Alter. Selbst wenn es nur um Romanhandlungen geht, hat sich der Lesende die hier beschriebenen Personen als leibhaft agierende Wesen vorzustellen, deren Handlungen und emotionalen Reaktionen zu verinnerlichen, das Umfeld, die Spannung der Geschichte, Hoffnungen und Enttäuschung muss er nachvollziehen und Zusammenhänge mit früheren Abläufen erkennen. Unbekannte Begriffe zwingen zum Nachschlagen. Nicht alles, aber vieles davon bleibt hängen, die Lektüre verwandelt uns. So, wie das reale Erleben, doch gemessen am Aufwand an Zeit und Mühen und Geld ist Lesen weit effektiver. Besser durch Lesen klug werden als durch Schaden!

In Berichten zur jüngsten PISA-Studie heißt es, bei uns in Deutschland habe jeder fünfte der Neunt(!)-Klässler große Mühe, Texte zu lesen und zu verstehen. An Schulen, die keine Gymnasien sind, sei es fast jeder Dritte, Tendenz steigend. Unser Deutschland, im Weltvergleich gerade mal Mittelfeld! In Sachen Kultur, Wissenschaft und Technik war es einst Vorreiter für die Welt! Nun rätseln die Bildungspolitiker, wie die Lesefähigkeit, eine der Schlüsselkompetenzen, zu steigern sei. Ihre Forderungen sind immer dieselben: mehr Geld, mehr Lehrer, mehr Digitalisierung und überhaupt mehr Anstrengungen. Nicht etwa seitens der Schüler, nein, die Gesellschaft ist gemeint, meistenteils solche also, die lesen können!

Zur Abwechslung sei mal an die Umkehrung gedacht, an Verhältnisse, wie sie früher üblich waren: Diejenigen, um die es geht, die Schüler, sollten sich mehr anstrengen, und das mit spürbaren Konsequenzen! Auch Mutter und Vater müssen ran, Elternteil eins wie zwei, gerade dann, wenn sie vorgezogen haben, fürderhin getrennte Wege zu gehen. Öfter mal versuchen, das auf dem Rücken liegende fernsehende oder mit dem teuren Handy spielende Kind umzudrehen und auf die eigenen Beine zu stellen. Wenn es umfällt, ist das sogar gut, sofern es dadurch lernt, sich selbständig hochzurappeln. Zum Beispiel eben den Hirnmotor durch vieles Lesen auf Touren zu bringen. 



KOMPAKT Zeitung, 9. Jg., 1. Februar-Ausgabe 2020. S. 4 - 5



Sag mir, wo die Ideale sind

Gerald Wolf

Wo sind sie geblieben, die Ideale, die Deutschland einst beseelten? Die seiner Ingenieure, Unternehmer, Erfinder und Entdecker, die seiner Nobelpreisträger, Dichter und Denker. Ideale gelten als Motor, als der vielleicht wichtigste für jeden Einzelnen von uns und nicht minder für die Gesellschaft. Wehe wenn dieser Motor abhandenkommt! Die Wirtschaftsleistung unseres Landes sinkt, woanders steigt sie. Unsere Schwerindustrie, die Chemie-Industrie und die pharmazeutische schwächeln, die Energiewirtschaft steuert auf eine Katastrophe zu. Von der Feinmechanik und Optik und von der Rechentechnik, dereinst Firmen von Weltbedeutung, existieren nur noch Reste. Nun krankt auch noch Deutschlands wirtschaftliches Rückgrat, die Auto-Industrie. Vor kurzem klagte die WELT, „Made in Germany“ leide unter einem drastischen Ansehensverlust. Was ist aus diesem Gütesiegel geworden, existiert es als Ideal überhaupt noch?

Dort, wo die Ideale gepflegt und ihre Meister gefeiert werden, dort blüht es. Zwar gibt es mitunter einzelne Blüten auch an einem ansonsten dürren Baum, aber reichlich finden sie sich nur bei entsprechender Pflege. In der Kunst ist das so, im Leistungssport und nicht zuletzt in der Wissenschaft und der Technik. Letztere sind es, die über das Auf oder Ab einer Gesellschaft entscheiden. Was beim Fußball außer Frage steht, nämlich die Leistungsbereitschaft und Leistungsfähigkeit knallhart über die Zusammensetzung des Kaders entscheiden zu lassen, darf in der Wissenschaft und Technik nicht anders sein, zumindest in deren Spitzenbereich. Keine Quoten, sondern Eliten. Nicht zuletzt im Dienst der Schwachen, die da nicht mithalten können.

Die Selbstverständlichkeit, mit der all das für uns einmal galt, scheint gewichen und nach Asien ausgewandert zu sein. In den Ländern, die vor kurzem noch als Entwicklungsländer galten, sorgt man mit Begeisterung und Verbissenheit für das Vorankommen. Was braucht es außerdem? Geld natürlich. Aber Geld allein tut’s nicht, das sieht man an den reichen Ölstaaten. Die entsprechenden Ideale sind es, die es zu pflegen gilt.

Bildung als Ideal

Wer Schüler in den dynamischsten Staaten des heutigen Ost- und Südostasiens ist, hat für seine Bildung alles zu geben. Die Schulen erwarten das, und die Eltern. So wie einst bei uns, hier in Deutschland. Und heute? Der jüngsten Pisa-Studie zufolge können 21 Prozent unserer 15-Jährigen einen einfachen Text weder lesen noch verstehen – Verhältnisse, die nur noch in Berlin unterboten werden. Häufigste Argumente sind niedriger Bildungsstand der Eltern, Überforderung der Schüler und verstopfte Schul-Klos. Seit jeher liegt der Akzent auf den MINT-Fächern, wenn es um die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes geht. Während in puncto Mathematik und Naturwissenschaften an unseren Schulen nur Mittelmaß zu verzeichnen ist, führen auch hier wieder Andere die Liste an. Zum Beispiel eben die Länder Asiens. Und Estland!

Die Pflege der Wissenschaft ist im Regelfall nicht Sache der Wissenschaftler selbst, sondern die von Funktionären, von – im weitesten Sinne – Politikern. Gleichwohl haben sie ihrer Aufgabe möglichst nahezustehen und die entsprechenden Ideale auch selbst im Herzen zu tragen. Wie steht es damit bei uns in Deutschland?

Üblicherweise legen die für die Bildung zuständigen Sachwalter, wie Politiker überhaupt, eher wenig Wert auf eigenes Wissen. Sie verlassen sich lieber auf das von Anderen, sofern deren Wissen für sie überhaupt erforderlich ist. Vor allem darf es den Auffassungen der eigenen Partei nicht widersprechen. Besser noch, wenn es diesen entgegenkommt. Solcherart Aufgaben verlangen von den Politikern überschaubare Anstrengungen, mitunter geht das sogar ohne Berufsabschluss. Wozu überhaupt konkretes Wissen, Behauptungen tun’s genauso, oft sogar viel besser. Von sperrigen Fakten befreit, lassen sich Behauptungen wunderbar an die Ziele der jeweiligen Meinungs-Konsortien anpassen. Widersprechende Befunde und Auffassungen können in der Öffentlichkeit durch Verschweigen ausgeblendet oder durch Diffamierung unwirksam gemacht werden.

Meinungsfreiheit als Ideal

Artikel 5 unseres Grundgesetzes sollte die Meinungs- und Zensurfreiheit garantieren, konterkariert wird er jedoch durch die Praktiken des derzeitigen politischen Mainstreams. Der bestimmt, was und wie etwas in die Öffentlichkeit gelangt, und was nicht. Als vormaliger DDR-Bürger fühlt man sich erinnert, wie ängstlich auch damals ein jeder „Verantwortungsträger“ bemüht war, die jeweils vorgegebenen Standpunkte und Regeln zu befolgen. So auch heute wieder. Sie werden von Kindesbeinen an gelehrt, im Kindergarten und in den Schulen.

Und an den Hochschulen? In kritischen Fällen hängt es von linksterroristischen Kräften ab, was an unseren Hochschulen gelehrt werden darf, wem zu lehren gestattet wird und wem nicht. Da mit dem früheren Innenminister de Maizière nun sogar Akteure des Mainstreams ausgeschlossen wurden, sah sich unser Bundespräsident zu einer Verlautbarung veranlasst. Ihr zufolge seien gerade die Universitäten der Ort für den Meinungsstreit. Hier auch müsse das Streiten wieder gelernt werden. Denn die Hochschulen wären „der Austragungsort für Kontroversen. Ohne heimlich oder offen verbreitetes Gift. Aber mit Schärfe und Polemik, mit Witz und Wettstreit“. Mehr noch: Die Universität sei „ein Ort der Freiheit aller zum Reden und zum Denken“.

 Indes ist es bei Vorlesungsverboten oder entsprechenden Aussortierungen geblieben. Die krassesten Fälle sind mit den Namen der Professoren Boberowski und Kutschera verbunden. Auch der Autor dieser Zeilen (G.W.) ist davon betroffen. An der Magdeburger Universität hielt er seit etwa 10 Jahren als Beitrag zum Seniorenstudium Vorlesungen, stadtoffen und über eine breite Themenpalette hinweg. Es waren in diesem Rahmen die meistbesuchten Veranstaltungen überhaupt. Mit Beginn des laufenden Semesters wurde ihm die Vorlesungen untersagt. Auch auf mehrfaches Drängen hin ohne Begründung.

Politische Ideale

Die politischen Ideale der klassischen Art, die der Demokratie, Gleichheit, Freiheit und Gerechtigkeit, gelten noch immer. Da ist keine Partei, die sie nicht auf ihre Fahnen schreibt, allerdings ohne verbindlich sagen zu können, was man sich darunter im Einzelnen vorzustellen habe, konkret. Unter Freiheit zum Beispiel – welcher Art, für wen und gegen wen?

Politische Ideale sind durchaus nicht immer gut, sie können höchst gefährlich sein. Gerade bei uns in Deutschland gab es solche der verheerenden Art. Wilhelm II. war ein solches, heraus kam der 1. Weltkrieg, oder Hitler mit der Konsequenz Judenverfolgung und 2. Weltkrieg. Auch an „Väterchen Stalin“ sei gedacht. Er hatte es sogar ohne Krieg geschafft, Millionen und Abermillionen Menschen in den Tod zu befördern. Für den Osten Deutschlands war Stalin eher mehr als ein Ideal, er war gottgleich.

Und Gott selbst, der Gott der Juden, Christen und Moslems, der Erschaffer der Welt und der Menschen? In seinem Herrschaftsbereich gab und gibt es bis heute kaum eine Aggression und kaum einen Krieg, ohne dass man sich auf ihn beruft. Und überhaupt, kann dieser Gott als ein Ideal gelten, wenn er die Menschen wegen eines Obstdiebstahls über alle Generationen hinweg aus seinem Paradies vertrieb, Menschen, denen er dann die Sintflut auf den Hals schickte, weil er mit ihnen, mit seiner eigenen Schöpfung, nicht zufrieden war?

Für uns DDR-Bürger gab es mit und nach Stalin ein gänzlich neues Ideal, entsprechend hieß es der Neue Mensch. Später wurde dieses Ideal pädagogisch umgegossen in die Allseitig Gebildete Sozialistische Persönlichkeit, ironisch Homo sovieticus genannt. Man glaubte, wollte zumindest der Bevölkerung glauben machen, dass bei planmäßiger, konsequenter Erziehung nach sowjetischem Muster Menschen erschaffen werden, die als Einheit gewillt sind, dem Sozialismus in unverrückbarer Klassenposition zu dienen und dessen Feinde zu bekämpfen. Auf dass es den Menschen auf der ganzen Erde gut gehe und immer besser. Diese Zeiten schienen überwunden zu sein und mit ihr das Ideal vom neuen Menschen. Doch kommen immer wieder neue Varianten auf.  Jüngst aktualisiert nun durch die Beschlüsse des SPD-Parteitages im Dezember dieses Jahres.

Vom politischen Hauptstrom, dem „Mainstream“, werden die jeweils angesagten Ideale in Fahrt gesetzt. Es sind die Flaggschiffe des politischen Moralismus. Flussabwärts begegnen sie den Menschen, die sich gern vom Hauptstrom umspülen lassen. Darin plätschernd winken sie den Flaggschiffen zu, viele jedenfalls, manche freudig, die meisten eher müde. Andere Schiffe bekommen sie ohnehin kaum zu sehen. Das wollen sie auch gar nicht, weil diese ihr Bild vom vorgefertigten Ideal stören. Und gar gegen den Strom anzuschwimmen, ist ihnen völlig fern. Wozu auch, fragen sie sich. Solange das Wasser trägt und uns warm umspült, lohnt sich das Strampeln nicht.

Klimaschutz als Ideal

Es gibt hierzulande kein Politikfeld, auf dem nicht Versagen zu verzeichnen ist, auch solches der schlimmsten Art. Immerhin bekennen sich die Verantwortlichen dazu, auch die Leitmedien tun’s. Und sie finden im Volk ihrer Wähler Verständnis, denn, wie es zu wissen glaubt, gibt es Schlimmeres: Eine vom Menschen selbst verursachte Klimakatastrophe kataklysmischen Ausmaßes kündigt sich an! Der Klimaschutz hat daher Vorrang, und dafür drückt man gern ein Auge zu. Oder auch beide, schließlich geht es nicht nur um uns, sondern um den gesamten Planeten! Der weitaus größte Teil unserer Bevölkerung anerkennt dieses Bemühen, ist opferbereit und zeigt sich dafür an den Wahlurnen erkenntlich. Für den Machtapparat macht sich die Bevölkerung in ihrer Hinnahmebereitschaft gewissermaßen selbst zum Ideal. Zumal ein Großteil von ihr alle die Faktoren, die das Klima beeinflussen, weder versteht noch überhaupt verstehen will.

Wozu auch etwas Genaueres über die Absorptionsbanden vom CO2 und deren Sättigungsverhalten wissen wollen, über die globale Temperatur und die CO2-Konzentration von vor tausenden und Millionen Jahren hier auf der Erde oder auf dem Mars von heute? Wen schon interessiert die Vielzahl von Klimafaktoren jenseits vom CO2? Die tagtäglichen Berichte von Unwettern, Bränden, Dürren und Überschwemmungen aus aller Welt sprechen doch eine eindeutige Sprache – alles klimawandelbedingt, was sonst? Und der wiederum kommt vom CO2, dem Treibhausgas, wie man es aus den Schloten und Auspüffen quiemen sieht, im Fernsehen. Angeblich soll das CO2 ja unsichtbar sein, aber nicht für alle, Greta Thunberg kann es sehen. Und eben auch im Fernsehen kann man es sehen.

Der Glaube, dass all das, was uns da vom grünen und linken Zeitgeist vorgelegt wird, schon seine Richtigkeit hat, spricht für sich und vermeintlich auch für die Sache. Glaubenssätze sind nun mal weit glaubhafter als irgendwelche Kurven und Tabellen, die von Wissenschaftlern gegengehalten werden samt ihrer haarsträubend langweiligen Thesen. Nicht ohne Grund ist mehr als 90 Prozent der Weltbevölkerung gläubig. Irgendwie jedenfalls. Und nicht ohne Grund kommen die sogenannten Klimaleugner bei uns nicht zu Wort, selbst wenn sie zehnmal Recht haben sollten. Auch Gottgläubige wollen nicht darüber diskutieren, ob es Gott wirklich gibt.

Wirklich aber gibt es Wissenschaftler – weltweit zuhauf, darunter viele Nobelpreisträger –, die gegen die These vom anthropogenen Klimawandel massive Gründe anführen. Sie finden die Maßnahmen zur Umstellung auf erneuerbare „Energien“ wie auch auf E-Mobilität höchst fragwürdig und halten die dazu vorgesehenen Techniken für extrem problematisch. Eine riesige, über die ganze Welt verteilte Lobby finanziere die Kampagnen zum Klimaschutz, sagen sie, und: Die Klimaschutz-Industrie sei ein Billionen-Dollar-Geschäft. Dass 97 Prozent aller Klimawissenschaftler den menschgemachten Klimawandel bestätigen, sei ein dreister, seinerzeit von Obama befeuerter Bluff. Die gegenwärtigen atmosphärischen CO2-Konzentrationen hätten, wenn überhaupt, einen vernachlässigbaren Einfluss auf unser Klima. Weit eher würde die Zunahme des CO2 als atmosphärischer Pflanzendünger wirken und die Begrünung der Erde nachweisbar vorantreiben. Schlimmer noch: Die Datensätze zur globalen Erwärmung würden verfälscht, entweder sei da nichts oder kaum etwas Bemerkenswertes, außer Klima-Hysterie.

Und tatsächlich, die Angst vor einer Klimakatastrophe geht mit Symptomen einer höchst befremdlichen Verzichtbereitschaft einher. In mancher Hinsicht gleichen sie denen der Selbstverletzung beim Borderline-Syndrom.

Diskurs als Ideal

Von all diesen Argumenten erfährt die Allgemeinheit nichts. Öffentliche Diskurse zu den Reizthemen menschgemachte Klimakatastrophe, Sinn und Unsinn energiewirtschaftlicher Maßnahmen oder von atmosphärischen Grenzwerten werden vermieden. Erst kürzlich haben 500 Wissenschaftler (darunter wiederum Nobelpreisträger) einen Brandbrief an den UN-Generalsekretär Guterres geschickt und vorgeschlagen, dass sich auf beiden Seiten der Klimadiskussion ausgewiesene Experten endlich in aller Öffentlichkeit austauschen. Warum auch nicht? Bei der extremen Belastung der Volkswirtschaften wie auch des Privatvermögens eines jeden Einzelnen ist die Einbeziehung der gesamten Bevölkerung dringend geboten, weltweit und natürlich auch hier bei uns.

Das in Deutschland beheimatete Europäische Institut für Klima & Energie (EIKE) ist eine der staatlich unabhängigen Einrichtungen, die weltweit erschienene Publikationen zu Fragen des Klimas sammelt und ihrerseits weiterverbreitet. Obwohl sich EIKE nach eigenen Worten intensiv bemüht, immer wurde dem Institut ein öffentlicher Diskurs mit Einrichtungen der staatlich geförderten Gegenseite verwehrt.

Anthropogener Klimawandel – Diskursverbot?

Für April 2020 jedoch ist in Magdeburg ein Diskurs vorgesehen, bei dem beide Lager die Kraft ihrer Argumente in aller Öffentlichkeit messen können, die „Klima-Alarmisten“ und die „Klima-Skeptizisten“.

 
 
 
 
Gerald, Wolf, Magdeburg, Gehirn, brain, Philosophie, Geist, Seele, soul, Gott, god, Bild, Foto, picture, image, Neurotheologie, neurotheology, Hirnforschung, Roman, novel, "Der HirnGott","Glaube mir, mich gibt es nicht", "Das Liebespulver", Magdeburg, humanities, Geisteswissenschaften, neurophilosophy, Neurophilosophie, mind, body, Hirn, nitric, Stickoxid, Wissenschaftsroman, Hirngott, Theologie, Neurotheologie, Gehirn, Gott, Reisen, Welt, Tiere, Pflanzen, Bilder, pictures, plants, animals, travelling