****       Sapere aude!        ****        
                 
Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! – forderte der Philosoph Immanuel Kant vor mehr als 200 Jahren. Er hatte etwas viel von uns verlangt, aber ein wenig sollten wir ihm schon entgegenkommen. Jeder auf seine Weise. Hier die meine.
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Gerald Wolf, Gastautor / 15.04.2020 / 16:00 / Foto: Tomaschoff/   

Fataler Import

Was ist denn nun dran an diesem neuen Virus, dem SARS-CoV-2? Von der ganzen Welt wurde es aus dem chinesischen Wuhan importiert. Die dadurch verursachte Krankheit CoVid-19 sei extrem gefährlich, heißt es, ja, das schlimmste Ereignis seit dem 2. Weltkrieg, aber bitte keine Panik! Keine Panik, wie soll das denn dann gehen? Die Weltwirtschaft würde sich auf Jahre, vielleicht Jahrzehnte hin nicht mehr erholen, verlautet es in manchen Kommentaren, allenthalben drohe Verarmung, sogar Krieg! Einige warnen, versteckt oder offen, eine Verschwörung der Chinesen stecke dahinter, eine gegen den gesamten Westen. Andere entwarnen, von wegen alles sei noch nicht mal halb so schlimm. Die nächsten jubeln, weil sie meinen, die durch das Corona-Virus ausgelöste Pandemie zwinge die Welt endlich und geradewegs in das Elysium der Grünen Vernunft.

Ich bin weder Virologe noch Epidemiologe noch Pulmologe noch Pathologe, wie soll ich mit diesen Informationen umgehen, und wie sollen das all die Anderen?

Die Schweden reagieren gelassen. Ihr Leben läuft weiter wie gewohnt, sie setzen auf „Flockimunitet“, auf Herdenimmunität. Bei uns hingegen und sonstwo in der Welt ist auf nahezu allen Etagen des Miteinanders Stillstand angesagt. Die Medien allerdings, die rotieren. Sie werden von einer schier unerträglichen Aufregung angetrieben.

Verantwortung für die Rezession übernehmen?

Täglich gibt es neue Zahlen. Hiernach sind in Deutschland bisher (14. April, am Morgen) 3.149 Menschen an CoVid-19 gestorben. Fast ausnahmslos ältere und schwer vorgeschädigte Patienten. Allerdings ist die eigentliche Todesursache bei SARS-CoV-2-Infizierten kaum auszumachen, da, wie es heißt, von Obduktionen – anders als bei anderen schwerwiegenden Infektionen (AIDS, Tuberkulose, Influenza) – behördlicherseits abgeraten wird. Warum?

Eher im Nebenher kann man erfahren, dass die Anzahl der Menschen, die bei den alljährlichen Grippewellen sterben, viel größer ist. Jahr für Jahr allein in Deutschland zwischen 5.000 und 30.000 Sterbefälle. 2017/18 waren es 25.000 Menschen, die an der Influenza, an der „gewöhnlichen“ Grippe, verstarben. Noch krasser: Obwohl das Influenza-Virus etwa 50-mal gefährlicher als das neue Corona-Virus ist oder sein soll, scheint die alljährliche Grippewelle kaum jemals eine Schlagzeile wert zu sein. Warum? Gemessen an der einen Million Menschen, die in Deutschland Jahr für Jahr versterben (2018: 954.914), mag das vielleicht als unerheblich gelten. Warum aber dann die Aufregung, wenn es um das neue Corona-Virus geht?

Ohne Frage aber ist jedes einzelne und jedes weitere Co-Vid-19-Opfer eines zu viel. Bloß, was tun, solange ein wirksames Gegenmittel fehlt, ein Virostatikum oder ein Impfstoff? Bis dahin weiß man sich nicht anders zu helfen, als die Infektionsketten zu unterbrechen. Da heißt es, untereinander Abstand halten, das öffentliche Leben lahmlegen, inbegriffen Bildungseinrichtungen und große Teile der Wirtschaft. Und: die Grenzen schließen!

Langsam, auffällig langsam, gehen nun die Zahlen für die am neuen Corona-Virus Erkrankten zurück. Oder, o Gott, doch viel schneller, indem die noch immer wachsenden Fallzahlen allein der zunehmenden Anzahl von Tests geschuldet sind?

Wer wollte dann – oder eher: wer sollte dann – für die derzeitige Überreaktion die Verantwortung tragen, wer für die enormen materiellen und ideellen Schäden, unter denen der Einzelne wie auch die gesamte Gesellschaft leiden? Extreme Staatsverschuldung und ein weltweiter Bankencrash drohen und – unserer „Pandemie-Wirtschaft“ geschuldet – eine sich beschleunigende Rezession. Die politischen Konsequenzen sind unabsehbar. Scheut man womöglich deshalb einen ergebnisoffenen wissenschaftlichen Diskurs über die Pros und Cons solcher Maßnahmen? Einen, der in aller Öffentlichkeit ausgetragen wird, ohne bestellte Claqueure, mit neutralen Moderatoren und ohne die Vertreter von Kontrapositionen einzuschüchtern oder gar mundtot zu machen. So, wie es auch in puncto Klimaschutz, Energiewirtschaft oder Grüne Gentechnik guttäte.

Schon wieder China?

Auf der vom US-amerikanischen Johns-Hopkins-Institut herausgegebenen und bei uns von der Berliner Morgenpost verbreiteten COVID-19 Map fällt China auf. Während sich in allen Ländern und Regionen dieser Erde mehr oder weniger große rote Kreise mit einem grünen Kern abzeichnen, prangt dieser Kreis in China in einem nahezu reinen Grün. Das heißt, alle ehedem mit dem Wuhan-Virus Infizierten und an ihm Erkrankten sind, wenn nicht gestorben, nun geheilt. Auch vordem waren in diesem riesigen Land mit seiner riesigen Anzahl an Menschen nur sehr kleine Streukreise zu erkennen. Die Ballungsräume Peking und Shanghai mit ihren zig Millionen Einwohnern sind von der Pandemie so gut wie unberührt geblieben. Auffällig rasch hat sich das Ursprungsland von seinem Virus erholt.

Alles nur politische Propaganda? Nun, hier wie in anderen Teilen Chinas leben und arbeiten genug Ausländer, auch Deutsche, die längst signalisiert hätten, wenn etwas mit diesen Aussagen nicht stimmt. China habe das Gegenmittel in der Hand und könne damit die eigene Bevölkerung schützen, wird hier und da geunkt. In vorderster Front den Präsidenten Xi Jinping, der kürzlich winkend durch Wuhan zog, um hier, im Virus-Epizentrum, den Sieg über den vermaledeiten Krankheitserreger auszurufen.

In der Tat, mit einem wirksamen Gegenmittel hätte China gut lachen. Ob es damit die Bewältigung der Krise tatsächlich geschafft hat oder demnächst zu schaffen meint, oder was immer sonst, das Land hat seinen selbstauferlegten Lockdown beendet. Lange, bevor andere Staaten daran auch nur denken können oder wollen. Der Vorteil liegt auf der Hand. Wie das manager magazin verkündet, zeigte sich schon im März eine V-förmige Erholung der chinesischen Wirtschaft, und die meisten Unternehmen meldeten wieder Normalbetrieb. Das alles, während im Rest der Welt die Volkswirtschaften mit Atemnot ringen, die Finanzmärkte japsen und Aktien und Anleihen zu Schnäppchenpreisen verkaufen. An wen wohl? Margrethe Vestager, EU-Kommissarin für Wettbewerb, hat im Gespräch mit der „Financial Times“ geraten, dass EU-Mitgliedstaaten Anteile an Unternehmen kaufen sollten, um der Bedrohung durch chinesische Übernahmen entgegenzuwirken. 

 
 
 
 
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