Gerald Wolf
                                                                                                                                                 ***     Sapere aude!   ***                                                                                                                                                                                           Schlimm ist es um die Demokratie bestellt, wenn                                                           "politische Korrektheit" und Duckmäusertum                                                                                    das Sagen haben.
 
 

Achse des Guten.  achgut.com. 05.01.2017

Partialfaktisch. Eine Mathematik für die Gegenwart

Von Gerald Wolf.

 

1. Norden = kalt

    Süden = heiß

2. Sommer = warm + die Sonne scheint und lädt zum Bade

    Winter = kalt + Schnee + lädt zum Rodeln

3. Obst = Äpfel + Birnen

4. Das Alter = Erntezeit

5. Geschlecht und Geschlechtsrolle = gesellschaftlich konstruiert

6. Islam = friedliche Religion

    Christentum = friedliche Religion

7. Menschen, die aus dem Süden zu uns kommen = Fachkräfte = Geschenk

8. links = gut

    rechts = schlecht

    nationalkonservativ = nationalistisch + populistisch + rückwärtsgewandt

9. EU + Euro + Eurorettung + offene Grenzen = gut

    Brexit = schlecht

    Dexit = schlecht

    Trump = schlecht.

 

9 Gleichungen und 1 Fehler

Die Aussagen 1 – 9 enthalten Fakten oder mögen solche enthalten, aber das jeweilige Gleichheitszeichen ist falsch, so falsch wie in:

4 + 3 = 5.

Richtig (= wahr) hingegen ist:

4 + 3 – 2 = 5

Ebenso:

4 + 3 ≠ 5

Zur Theoriebildung nicht geeignet

Symbolhaft wird hier das Problem umrissen, das die Politik und ihre Medien haben, wenn sie in ihren Erläuterungen und Begründungen anstelle eines "≠"-Zeichens ein "=" setzen. Bei denjenigen, die schon länger hier leben (= Volk?; ≠ Volk?) mögen sie dadurch auf Skepsis stoßen, ja auf Ablehnung. Gern und immer erneut werfen sich die Politiker dann vor, das von ihnen gesetzte Gleichheitszeichen nicht genügend erklärt zu haben. Wiewohl sie tagein, tagaus genau das tun, nämlich erklären. Jedoch wissen nicht nur diejenigen, die schon länger hier leben, sondern auch viele, die erst seit Kurzem bei uns sind oder solche, die vom Ausland her auf Deutschland schauen, dass bei politischen Aussagen anstelle eines "=" sehr oft ein "≠" stehen müsste. Erst dadurch würde dem partiell Faktischen ein Bestandsrecht im Bereich der Tatsachen gegeben.

Zwar mag das Partialfaktische durchaus auf Fakten fußen, es ist aber wegen der ihm eigenen Unvollständigkeit für die Theorienbildung nicht hinreichend, und ebenso nicht für praktische Ableitungen. Wer sich mit dem Partialfaktischen begnügt, geht das Risiko ein, Fehlentscheidungen zu treffen. Die Unvollständigkeit partialfaktischer Aussagen und Begründungen kann auf ungenügenden Kenntnissen beruhen und auf entsprechend limitierten Vorhersagemöglichkeiten, dürfte allerdings oft auch Bestandteil des methodischen Rüstzeugs sein, mit dem Politik gemacht werden soll. Und gehört damit in den Bereich der Lüge. Der üblich gewordene Begriff „postfaktisch“ hingegen ist blanker Unsinn, der zu Diffamierungszwecken von den auf der Basis von partieller Faktizität Agierenden erfunden wurde. Oder von einem Spaßvogel.

Professor Gerald Wolf ist Hirnforscher und emeritierter Institutsdirektor. Er widmet sich in seinen Vorträgen und Publikationen und regelmäßig im Fernsehen (MDR um 11, Sendung „GeistReich“) dem Gehirn und dem, was es aus uns macht. Neben zahlreichen Fachpublikationen und Fach- und Sachbüchern hat er auch drei Wissenschaftsromane veröffentlicht.  

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