****       Sapere aude!         ****        
                 
Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! – forderte der Philosoph Immanuel Kant vor mehr als 200 Jahren. Er hatte etwas viel von uns verlangt, aber  ein wenig  sollten  wir   ihm schon  entgegenkommen. Jeder auf seine Weise. Hier die meine.
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Achse des Guten 03.10.2017 / 06:25 / Foto: Sandro Halank  

Das Vertrauen – und wie man es verliert 

Von Gerald Wolf.

Vertrauen ist ein wertvolles Gut, das mit Vorsicht angeboten werden sollte, denn oft genug erweist es sich als riskante Vorleistung. In seiner edelsten Form ist Vertrauen das stärkste Band in einer Beziehung. Als ob man jemandem den Schlüssel zum größten und zugleich empfindlichsten Schatz verschenke: dem Herzen. Erfahrungsgemäß hat die Offenherzigkeit Grenzen. Nicht einmal den engsten Angehörigen vergibt man den Schlüssel zum Herzen uneingeschränkt. Sogar mit uns selbst haben wir da Probleme, schließlich hat auch das Selbstvertrauen seine Grenzen.

Früh schon bildet sich beim Kind so etwas wie ein Urvertrauen aus. Ganz gleich, womit und mit wem es zu tun bekommt, auf alles kann es vertrauen. In erster Linie auf die Fürsorge durch die engsten Bezugspersonen, im Regelfall Mutter und Vater. Die Eltern können alles, wissen alles, machen alles richtig und sind voller Zuneigung. Klappt da etwas nicht, kann es gefährlich werden. Denn ist eine solche Grundeinstellung einmal verpatzt, vermag sie der Mensch späterhin womöglich nicht mehr aufzubauen. Beziehungsprobleme sind die Folge, ein „Ur-Misstrauen“ und Ängste machen sich breit, und diese erweisen sich oft als schwer korrigierbar.

Normalerweise aber sind wir doch recht zutraulich, und das ohne expliziten Gültigkeitsbeleg. So sagen wir uns, die Liebe des Partners wird schon nicht so bald erlahmen, wahrscheinlich nie. Oder: Unser Chef, der schafft es bestimmt, die Firma auch weiterhin aus der Pleite herauszuhalten; auf die Bremsen im Auto, auch wenn nur gemietet, ist sicherlich Verlass; der Fahrer unseres Busses wird selbst am besten wissen, ob er jetzt überholen darf oder lieber nicht; das OP-Team ist versiert, die schaffen das mit dem Knoten in meiner Brust; der Blitz wird, wenn er hier irgendwo einschlägt, bestimmt nicht gerade mich treffen ...

Ohne so etwas wie ein Grundvertrauen lebt es sich schlecht. Menschen, denen es fehlt, leiden gewöhnlich unter Kontrollzwängen. Ständig müssen sie alles überprüfen. Wenn sie gerade kontrolliert haben, ob die Haustür abgeschlossen ist, werden sie bald darauf unsicher und müssen die Tür erneut checken. Oder den Gashahn. Oder die Versicherungsunterlagen. 49 Millionen Einträge findet, wer unter dem Stichwort „Vertrauen“ googelt. Das Suchverzeichnis von Amazon weist zu dem Stichwort viele tausend Bücher aus, unter ihnen anderthalbtausend Fachbücher. Und immer geht es um die Fragen, was eigentlich heißt Vertrauen, wie kann man es gewinnen, wie viel Vertrauen anderen gegenüber ist gut, wann wird es zur Gefahr? Oder wodurch geht Vertrauen verloren und wie lässt es sich wiedergewinnen?

Mitunter finden sich Verweise auf ein Hormon, das von speziellen Nervenzellen an der Basis des Gehirns gebildet wird: das Oxytocin, auch „Liebeshormon“ genannt oder „Vertrauenshormon“. Als Spray in die Nase verabreicht, steigert es die Sympathie für andere Menschen, bei Computerwettspielen zum Beispiel das Vertrauen in die Zuverlässigkeit von Mitspielern. Wer Oxytocin schnüffelt, sieht die eigene Gruppe positiver. Allerdings setzt er die anderen Gruppen dann umso stärker herab. Das Hormon, so wird aus neueren Experimenten gefolgert, fördert den Ethnozentrismus und spielt beim Entstehen von Konflikten, von Hass und Gewalt eine wichtige Rolle. Oxytocin, ein körpereigener Signalstoff, beflügelt die Zuneigung und das Vertrauen, befeuert aber auch Streit und Fremdenfeindlichkeit. Nichts ist vollkommen, noch nicht einmal das Vertrauenshormon!

Ist das Vertrauen erst mal hin

Wodurch nicht alles wurden die Bürger ihres Vertrauens in die Politik beraubt, und was nicht alles ist da vertuscht oder durch tendenziöse Berichterstattung übertüncht worden (ehemalige DDR-Bürger kennen das aus ihrer Vergangenheit bestens). Vornan die Flüchtlingsproblematik. Nicht nur die riesige und nur ungenau erfasste Anzahl nichtasylberechtigter Menschen ist es, die seit dem Willkommensruf 2015 in unser Land strömen, auch deren Gebaren und die enormen Kosten sind es, die den Bürgern Sorgen bereiten. 

Wie nur kann da jemals wieder Vertrauen aufkommen? Als zusätzliches Problem für die Vertrauensrückgewinnung erweist sich die bisherige Diffamierung all jener, die vor einer tatsächlich oder vermeintlich unumkehrbaren Überfremdung warnen. Vom politisch-medialen Komplex  wurden sie als „fremdenfeindlich“, „rassistisch“ und „islamophob“ verleumdet, als „Nazis“ beschimpft, als „Rechtsextremisten“ und „Wutbürger“. 

Nach der Wahl nun gruppiert sich die bisherige Allparteienkoalition neu. Die Unionspolitiker besinnen sich ihrer konservativen Abkunft, das Volk wird wieder „Volk“ genannt, weitere Tabus brechen auf. Gespannt darf man sein, wie lange es dauert, bis es um die heiligen Kühe geht: die Sinnhaftigkeit von Klimaschutz, der Schutz unserer Grenzen, fehlender Integrationswillen und Genitalverstümmelung aus religiösen Gründen, die weltweite Bevölkerungsexplosion, Linksextremismus, die selbstmordartigen Beschneidungen unserer Industrie und Energiewirtschaft, die Gender-Ideologie und deren Sprachverhunzung.

Unbestreitbar indes ist der Wert der Erfahrungen, die von den etablierten Parteien und den von ihnen aufgebauten und kontrollierten Verwaltungen gemacht wurden. Die Opposition kann da nicht mithalten. Noch nicht. Die Bisherigen werden also auch weiterhin gebraucht. Wie lange aber wird es dauern, bis das Vertrauen der Bevölkerung zu ihnen zurückfindet? Und wenn, dann künftig doch wohl stets unter der Kontrolle einer starken und echten Opposition. Schade, dass hierbei das Vertrauenshormon Oxytocin nicht wirklich helfen kann. Vertrauen muss verdient werden. Anders gewendet: welch ein Glück!


 
 
 
 
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